36 Ansichten des Pic St. Loup

F/I 2009

In TV und Kino finden: Jane Birkin, Sergio Castellitto, Andre Marcon, Jacques Rivette

Eine bittersüße, französische Liebesgeschichte

Eine bittersüße, französische Liebesgeschichte

"Du hast mich berührt", sagt ein unbekannter Fremder im Film "36 vues du Pic Saint-Loup" zu Jane Birkin. Genau das tut die britische Schauspielerin und Sängerin seit Jahrzehnten. Nun stand sie für den französischen Altmeister Jacques Rivettes vor der Kamera. Der Regisseur schuf mit dem 84-minütigen "36 vues du Pic Saint Loup" eine kurze Komödie, die 2009 bereits bei der Viennale zu sehen war.

Rivette, einst führender Vertreter der Nouvelle Vague, liebt das Theater, und ein wenig erinnert auch sein neuer Film an eine Bühnenaufführung. Diesmal stehen bei ihm ganz die Künstler im Mittelpunkt - und die Vergangenheit der Figuren. Als der Besitzer eines kleinen Wanderzirkus' stirbt, bitten die Artisten dessen älteste Tochter Kate (Jane Birkin), den Zirkus durch den Rest der Saison zu führen. Sie hat vor etwa 15 Jahren aus Gründen, die niemand kennt, den Zirkus verlassen, lässt sich aber recht einfach zur Rückkehr bewegen. Allerdings kennt wirklich niemand die genauen Gründe ihrer damaligen Flucht - und auch nicht die genauen Gründe ihrer Rückkehr.

Auf dem Weg zu ihrer Sommerarbeit taucht bei einer Autopanne ein attraktiver Italiener (Sergio Castellito) auf. Ohne ein Wort zu sagen, repariert er den Schaden und rauscht in seinem Porsche auf und davon. Doch er ist fasziniert von der Unbekannten und landet unverhofft dort, wo auch die Zirkustruppe haltmacht. Der schöne Unbekannte gibt den an Aufmerksamkeitsdefizit leidenden Artisten, was sie brauchen: Bewunderung. Und er hilft Kate, sich der Vergangenheit und neuer Lebensfreude zu stellen.

Die Filme von Jacques Rivette polarisieren, der mittlerweile 81-jährige Regisseur ist berühmt-berüchtigt für seine langsamen, handlungsarmen Filme. Die Kürze von "36 vues du Pic Saint-Loup" tut der Sache gut: Der Film verströmt die sommerliche Leichtigkeit einer bittersüßen Liebesgeschichte, ohne unnötigen schweren Ballast. Rivette setzt all dies ohne große Emphase und Dramatik, dafür mit mildem Humor und einer Vorliebe für theatralische Auflösungen in Szene. Jane Birkin, die immer wieder bei der Viennale zu Gast war, glänzt auch hier in ihrer Rolle der Geheimnisvollen und Suchenden. In den 60er Jahren wurde sie unter anderem mit einer Nacktszene in Antonionis "Blow Up" und dem mit ihrem Gefährten Serge Gainsbourg aufgenommenem erotischen Chanson "Je t'aime moi non plus" berühmt und zu einer Ikone der Popkultur.

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