3096 Tage

Drama, D 2013
3096 Tage war Kampusch in Priklopils Gewalt

3096 Tage war Kampusch in Priklopils Gewalt

Mit "3096 Tage" kommt die Verfilmung von Natascha Kampuschs Leidensweg in die Kinos. Regisseurin Sherry Hormann ("Wüstenblume") gelingt dabei eine Umsetzung für die große Leinwand, die der namensgebenden Autobiografie von Kampusch erstaunlich nahe kommt: Unpathetisch wird mittels beachtlicher Schauspieler ein Kammerspiel der Gewalt gezeichnet, das den Zuschauer umso mehr erschlägt.

Am Anfang steht die schier unendliche weiße Weite, die dann vom schier unendlichen Grauen eines dunklen Kellerlochs abgelöst wird: Der berühmte Skiausflug, auf den der Entführer Wolfgang Priklopil sein jugendliches Opfer zwingt, steht am Beginn der Erzählung, die alsbald kurz die Trostlosigkeit der Wiener Randbezirke und somit Kampuschs Leben vor der Entführung streift.

Die eigentliche Gefangennahme des zehnjährigen Mädchens auf dem Schulweg schildert Hormann dann so nüchtern und fast schon provozierend zurückhaltend, wie sie in der gesamten Inszenierung bleibt - anders als der Trailer befürchten ließ. Dramatik wird in "3096 Tage" nie durch einen entsprechenden Soundtrack erzeugt, sondern entsteht aus dem Spiel der Protagonisten.

In der frühen Lebensphase wird Kampusch von der 2001 geborenen Britin Amelia Pidgeon gespielt, die nicht nur eine frappante Ähnlichkeit zu den Kinderfotos des Entführungsopfers aufweist. Dem Mädchen gelingen auch einige der stärksten Szenen des Films.

Nach einer Dreiviertelstunde erfolgt der Zeitsprung zur pubertierenden Natascha, die von Antonia Campbell-Hughes gespielt wird, die sich für ihre Rolle auf die Knochen herunterhungerte. Ihre ausgemergelte Körperlichkeit zeigt die Verwundbarkeit des jungen Mädchens und offenbart zugleich in den umso deutlicher prononcierten Augen einen Kampfeswillen, der auch nicht gebrochen wird, wenn Priklopil sie demütigt. Der Priklopil des Dänen Thure Linhardt hat dabei nichts Dämonisches an sich, jedoch die latente Gefährlichkeit des kaputten Muttersöhnchens.

Ein guter Teil von "3096 Tage" ist allerdings in der klaustrophobischen Enge des Kellerloches angesiedelt, das für Kameralegende Michael Ballhaus die größte Herausforderung darstellte. Der 77-jährige Stammkameramann von Martin Scorsese kehrte nach Jahren der Pause für seine Ehefrau Sherry Hormann wieder hinter die Kamera zurück und liefert eine weitgehend schnörkellose Arbeit, die der Dogma-Bewegung mehr schuldet als dem großen Hollywoodepos.

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