21 Gramm

Drama/ , USA 2003
Sean Penn als souveräner Mathematikprofessor

Sean Penn als souveräner Mathematikprofessor

Ein Autounfall führt drei Menschen zusammen: Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu zeigt in "21 Gramm", wie sich die Wege einer zweifachen Mutter, eines Ex-Sträflings und eines Todkranken auf tragische Weise kreuzen. Die Erzählweise und die Leistung der Schauspieler machen das Drama zu einem faszinierenden Kunstwerk.

"21 Gramm" ist die erste englischsprachige Arbeit des mexikanischen Regisseurs ("Amores Perros"). Inarritu montierte die Szenen wie ein Mosaik. Die einzelnen Sequenzen sind zeitversetzt, von unterschiedlicher Atmosphäre und je nach Stimmung mit entsprechend intensiven und alternierenden Farben gestaltet. Die diskontinuierlichen Zeitsprünge entwickeln sich zunehmend zu einem Gesamten. Die Bilder gehen buchstäblich unter die Haut, wie ein Voyeur erlebt das Publikum die Schmerzen der Protagonisten.

Manchmal bekommt man nur kurze, zunächst wenig aussagende und bisweilen verstörende Szenen vorgesetzt, dann wieder längere Abschnitte. Irgendwann entwickelt sich dieses Wechselspiel zu einem logischen Rhytmus voller epischer Eleganz. Fast jede Einstellung wurde mit Handkameras gedreht. "Ich gehe ganz nah ran, so intim wie möglich", betont Kameramann Rodrigo Prieto. "Die Kamera ist Zeuge, was in den Figuren vorgeht ... Sie atmet mit der Szene, bleibt aber völlig passiv."

Sean Penn (souverän wie immer) verkörpert einen Mathematikprofessor, der auf eine Herztransplantation wartet. Naomi Watts (für Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert) brilliert als Frau, der plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Benicio Del Toro (ebenfalls für einen Oscar nominiert und glaubwürdiger denn je) spielt einen Kriminellen, der zu Gott gefunden hat und verzweifelt auf Erlösung wartet. Die Umstände treiben die Figuren in Gemütszustände, die die Charaktere grundlegend verändern und sie ins Extreme führen.

"In meiner Arbeit geht es immer um Moral. Moral in dem Sinne, dass alle Entscheidungen Konsequenzen haben. Es geht auch fast immer darum, wie die Toten die Lebenden beeinflussen", erzählt Drehbuchautor Guillermo Arriga und nennt William Faulkner als wichtigen Einfluss. "21 Gramm" ist ein düsterer, gnadenloser Film, aber kein pseudo-moralischer oder gar einer mit Zeigefinger.

(von Wolfgang Hauptmann/APA)

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