1917

Kriegsfilm, USA 2019

1917

Der oscarprämierte Regisseur Sam Mendes (American Beauty) bringt mit 1917 ein spannungsgeladenes Drama auf die Leinwand und schickt zwei junge Soldaten im WK I auf ein Himmelfahrtskommando. – Ein heißer Anwärter auf den Academy Award als bester Film.

Mit seinem Kriegsdrama 1917 widmet sich der britische Regiemeister Sam Mendes (Oscar für American Beauty) den Schrecken des Ersten Weltkriegs, schildert am Beispiel von zwei britischen Soldaten eine fiktive, wahnwitzige Mission, die 1.600 Leben retten könnte – und macht sie in scheinbar einer einzigen Einstellung beängstigend spürbar. Und darum geht’s:

1917, in Frankreich tobt der Erste Weltkrieg: Briten und Deutsche paralysieren sich schon seit Monaten gegenseitig über lange Phasen des Stellungskriegs. Frontale Angriffe sind stets mit fürchterlichen Verlusten verbunden. Durch massiven Menschen- und Materialeinsatz versuchen sie sich gegenseitig „auszubluten“. Der Film spielt an einem einzigen Tag während des Ersten Weltkriegs und hebt fast idyllisch an. Die beiden britischen Unteroffiziere Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay) lehnen in einer Kampfpause an einem Baum, dösen vor sich hin – bis sie in die Kommandozentrale zum diensthabenden Colonel (Colin Firth) beordert werden. Der erteilt ihnen mit ernster Mine einen unmöglich anmutenden Auftrag.

Hinter der Front ist nämlich einige Kilometer weiter eine zweite Frontlinie entstanden, die die Engländer unter Colonel Mackenzie (Benedict Cumberbatch) am nächsten Morgen stürmen sollen. Aktuellen Informationen der Luftaufklärung zufolge handelt es sich dabei aber um eine Falle der Deutschen, die 1.600 britischen Soldaten das Leben kosten könnte. Blake und Schofield müssen also in aller Eile einen schriftlichen Gegenbefehl überbringen, um ihre Kameraden zu retten. Dafür bleiben den beiden aber nur noch wenige Stunden. Während Schofield vor der riskanten Mission graut, geht Blake die Sache hochmotiviert an – und rennt fast schon zur Frontlinie. Der Grund: Unter den zu rettenden Soldaten befindet sich auch sein älterer Bruder. Und tatsächlich: Als Schofield und Blake den Schützengraben schließlich verlassen, bleibt es ruhig. Der erwartete Schuss des Feindes fällt nicht. Geduckt und mit größter Vorsicht schleichen die beiden durch das vom Artilleriefeuer zerfurchte und mit Leichen gepflasterte Niemandsland zwischen den Schützengräben …

Oscarreife Kamera

Fortan verfolgt die Kamera die zwei Soldaten unablässig, einmal ganz nah, dann wieder aus der Ferne, umkreist sie, schwebt wie schwerelos hoch und runter. Sie nimmt das Publikum mit in die Kommandozentralen, auf die Schlachtfelder – und wie schon Lewis Milestone in Im Westen nichts Neues (1930) auch in die dreckig-beengten Schützengräben. Um den Zuschauer hautnah an der Botenmission, die einem Himmelfahrtskommando gleichkommt, teilhaben zu lassen, drehten Regisseur Mendes und sein Kameramann Roger Deakins (No Country for Old Men, Skyfall, Spectre), der für seine Arbeit an Blade Runner 2049 mit dem längst fälligen Oscar belohnt wurde, den Film so, als sei man in einer einzigen Einstellung ohne Schnitt mit den Soldaten verbunden. Doch anders als z. B. der 140-minütige One-Shot-Streifen Victoria (2015) ist 1917 nicht wirklich in einem Zug gedreht. Stattdessen wurden mehrere Plansequenzen in unzähligen Probeläufen so lange durchexerziert, bis sie perfekt choreografiert gefilmt und dann mittels unsichtbarer Schnitte nahtlos aneinandergehängt werden konnten. Mendes erspart uns im Film zwar offene Gemetzel, zeigt aber permanent die grausigen Auswirkungen des Krieges: Ratten und Vögel machen sich an den Leichen zu schaffen, überall liegen tote Pferde und Kühe. Einmal läuft einer der beiden nachts durch eine völlig zerstörte Stadt, die nur von Leuchtraketen erhellt wird – Bilder, die man so schnell nicht vergisst.

Gewidmet ist der vor allem in technischer Hinsicht brillante Film Alfred H. Mendes, dem Opa von Regisseur Sam Mendes, der ihn in der Jugend mit Geschichten aus dem Ersten Weltkrieg fesselte, in dem Alfred als 17-jähriger Bote gedient hatte. Dabei ging es weniger um Heldentum als um das Glück zu überleben. Letzteres hatten mehr als 885.000 britische Soldaten im Ersten Weltkrieg nicht.

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