10 Fragen an den Dalai Lama

Dokumentation, USA 2006
Fragen an ein Weltsymbol

Fragen an ein Weltsymbol

Schneebedeckte Gipfel, Bilder vom buddhistischen Klosterleben und von religiösen Zeremonien, unterlegt mit mythisch geraunten Mantragesängen - der klischeehafte Einstieg zu dem Dokumentarfilm "10 Fragen an den Dalai Lama" ist glücklicherweise nur kurz.

In den darauffolgenden 85 Minuten überzeugt der amerikanische Filmemacher Rick Ray mit einem beeindruckenden Porträt des geistigen Oberhauptes der Tibeter und einem kompakten Einblick in die Geschichte des chinesisch-tibetischen Konflikts, der zur Zeit weltweit Aufmerksamkeit erregt. Der vor zwei Jahren entstandene, vielschichtige, aber unaufwendig gedrehte Film gewinnt durch die Unruhen in Tibet und den Freiheitskampf des Himalaya-Volkes gegen die Chinesen kurz vor den Olympischen Spielen ungeahnte Aktualität. Der Streifen wird in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Aus seiner Sympathie für den 72-jährigen, 14. Dalai Lama, der längst zu einer globalen Friedensikone geworden ist, doch sich selber lediglich als einfachen Mönch betrachtet, macht Ray kein Hehl. Dennoch wirkt sein engagierter Film, der in den USA bei Festivals schon zahlreiche Preise einheimste, vom Grundton her nie aufdringlich oder belehrend. Ray bietet eine Reisereportage in der Ich-Form, gibt dem Gezeigten als Erzähler Struktur und präsentiert sich auch im Bild. Dabei verbindet er seine eigene Reise geschickt mit dem Lebensweg des Dalai Lama. Sehenswert sind besonders die historischen Schwarzweiß-Aufnahmen aus dem alten Tibet.

Rays Dokumentation ist somit weit mehr als der Titel nahelegt. Freimütig erzählt er, dass er sich kostenlos zum Drehen eines Reisevideos zur Verfügung gestellt hatte, weil die Produktion ein Interview mit dem Dalai Lama versprach. In Indien musste der Filmemacher aber feststellen, dass nichts organisiert war. Nur aufgrund seiner Hartnäckigkeit und der Gunst des Schicksals erhielt er schliesslich doch noch eine 45-minütige Audienz bei dem Friedensnobelpreisträger (1989) in dessen Exil-Sitz in Dharamsala in Nordindien. Der Dalai Lama taucht allerdings erst spät in dem Film auf. Vorher macht Ray mit imposanten Landschaftsaufnahmen, Szenen aus Klöstern und dem Alltagsleben der Tibeter mit Land und Leuten und vor allem den Grundzügen des Buddhismus bekannt.

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