‚Deadpool‘: Marvels Antiheld auf Herz und Nieren geprüft!

„Wow, der Typ von TV-MEDIA hat echt Ahnung von mir!“

„Wow, der Typ von TV-MEDIA hat echt Ahnung von mir!“

Marvels Enfant terrible bekommt endlich seinen eigenen Blockbuster spendiert. Passend zum Kinostart von ‚Deadpool‘ am 12. Februar geben wir Ihnen den notwendigen Crashkurs, um mit dem „Söldner mit der großen Klappe“ warm werden zu können! Vorweg: Dieser Kerl ist nichts für Zartbesaitete und weitaus blutrünstiger unterwegs als die ‚Avengers‘ und Co.

Wo fängt man am besten bei dieser Comicfigur zu erzählen an? Satte 25 Jahre hat Wade Wilson (so der bürgerliche Name von Deadpool) bereits auf dem Buckel, unzählige Abenteuer hat er schon in seinen eigenen Bilderbüchern bestritten und auch im Kino gab es bereits den Versuch, den etwas anderen „Superhelden“ zu integrieren. Letzteres blieb bisweilen leider erfolglos, soll sich ab 12. Februar jedoch ändern! TV-MEDIA hat sich ‚Deadpool‘ vorab zu Gemüte geführt und einen Experten in Sachen Chimichangas zur Rezension gebeten – dieser verfasst soeben diese Zeilen ;)

Der lange Weg zum ‚Deadpool‘-Film

Ein böser „New Mutant“ aus dem Universum der ‚X-Men‘

Eingefleischte Marvel-Fans wissen Bescheid: Sein Debüt feierte der Character im feuerroten Ganzkörper-Latex im Marvel Comic New Mutants #98 – seinerzeit schrieb man das Jahr 1991! Zeichner Rob Liefeld und Schreiberling Fabian Nicieza hatten damals schon die famose Idee, einen Antagonisten mit losem Mundwerk zu erschaffen, der sich mit sämtlichen anderen Helden aus der Welt der Comichefte anlegt. Ja, richtig gelesen! Deadpool trat ursprünglich als Söldner auf und sollte einen Bösewicht-Status einnehmen. Nun, Söldner ist der Gute geblieben, jedoch mutierte er wortwörtlich rasch zum heimlichen Liebling der Fans.

1991 feierte Deadpool seinen Einstand im Comic ‚New Mutants #98

Deadpool gegen Batman?

Apropos sich mit anderen Figuren anlegen: Bereits sein bürgerlicher Name Wade Wilson ist ein direkter Konter auf einen Fiesling aus dem DC-Universum! Kein geringerer als ‚Batman‘-Widersacher Deathstroke diente den Genies bei Marvel als Vorlage. Wir gehen kurz ins Detail: Deathstroke heißt mit richtigem Namen Slade Wilson (!) und ist ebenfalls Hitman. (Dem breiten Publikum ist die Figur aus der TV-Serie ‚Arrow‘ bereits ein Begriff).

‚Batman‘-Widersacher Deathstroke hat – bis auf das gelbe Farbschema – verblüffende Ähnlichkeit mit Deadpool, oder?

Deadpool gegen alle!

Weil es jedoch nicht genügt, lediglich dem härtesten Konkurrenten eins auszuwischen, hat sich Marvel in einer eigenen Mini-Comicreihe dazu entschlossen, Deadpool sogar in den eigenen Reihen aufräumen zu lassen. In Deadpool kills the Marvel Universe (erschien im Oktober 2012) hackt sich der verrückte Hund quer durch die Liga der Superheroes. Wie man auf dem Foto erkennt, bleibt dabei so gut wie keiner verschont: Captain America, Thor, Iron Man, sämtliche Mutanten der X-Men sowie die Fantastic 4 … allesamt dahingemeuchelt! Wie gesagt, ‚Deadpool‘ ist nach ‚The Punisher‘ und ‚Blade‘ der wohl brutalste Comic aus dem Hause Marvel und sollte nach Möglichkeit nicht in den Griffeln von Minderjährigen landen.

Ein Gemetzel: Deadpool hat in seinem Comic auch schon mit sämtlichen Marvel-Superstars eiskalt abgerechnet!

Die Geburtsstunde eines Antihelden!

Über die Ursprünge von Deadpool scheiden sich die Geister. Weil die Figur anfangs nicht als fixer Bestandteil des Marvel-Universums kreiert wurde, musste im Laufe der Zeit die ein oder andere Entstehungsgeschichte nachgereicht werden. Sich auf eine festzulegen ist schwer – auch im kommenden Film gehen Regisseur Tim Miller und Produzent Ryan Reynolds einen gänzlich eigenen Weg. Fakt ist, Wade Wilson ist ein Ex-Elitekämpfer, beherrscht den Umgang mit sämtlichen Waffengattungen und hat einen beinahe schon manischen Hang zu Situationskomik. Sprüche klopft der Kerl übrigens nicht nur in seiner Muttersprache Englisch sondern auch in Spanisch, Russisch, Japanisch und auf Deutsch! Als bei ihm ein tödlicher Krebs diagnostiziert wird, unterzieht er sich dem sogenannten „Waffe X“-Programm – Fansboys wissen, dass dieses einst aus einem gewissen Logan den legendären X-Men Wolverine gemacht hat! Wie sich schnell herausstellt, will ihn der schmerzresistente Gruseldoktor Francis – alias Ajax – aber zu einem unsterblichen Supersklaven mutieren lassen. Wade wird dabei vom sexy Womanizer zum hässlichen Zombie entstellt – was man quasi als Geburtsstunde von Deadpool bezeichnen kann. Der Film setzt übrigens an dieser Stelle ein und zeigt knapp zwei Stunden lang den Rachefeldzug des Wade Wilson.

Ajax unterzieht Wade Wilson dem „Waffe X“-Programm und erschafft damit eine gefährliche Allzweckwaffe

Aber da war doch noch etwas mit den ‚X-Men‘?

Ja, da liegen Sie richtig! Bereits im Jahr 2009 verkörperte Ryan Reynolds die Figur des Wade Wilson in ‚X-Men Origins: Wolverine‘. Seinerzeit wurde der fesche Assassine ebenfalls im Zuge einer „Weapon X-Therapie“ zur Killermaschine ‚Deadpool‘ verwandelt, jedoch war dieser in dem Film bei Weitem nicht so großgoschert – Wie denn auch, man hat ihm immerhin den Mund zugenäht! WTF!?

Da schaut sogar Wolverine Hugh Jackman doof aus der Wäsche: Deadpool wurde 2009 sein Mund zugenäht!

In Amerika R-Rated und in China bereits am Index!

In unseren Breitengraden kommt ‚Deadpool‘ mit einer Altersfreigabe ab 16 davon. Mag für die einen jetzt ein Schock sein, doch glauben Sie mir, Blut spritzt noch genug und spätestens wenn Ihnen in der 3D-Fassung der erste abgetrennte Kopf entgegenfliegt wissen Sie, wovon ich spreche ;) In Amerika entschied man sich für ein R-Rating, jedoch nicht auf Grund der Gewaltdarstellung, sondern wegen den Sexszenen! Jap, auch die gibt’s. Aber keine Sorge, Ryan Reynolds und Filmkollegin Morena Baccarin liefern eher lustige Slapstick-Einlagen als dreckige Hardcore-Sequenzen. Nichtsdestotrotz sind die beiden darin nackig zu sehen – Falls die Freundin/Frau nicht mit Ihnen ins Kino gehen will, werter Leser, versprechen Sie ihr einfach Reynolds Popsch, das dürfte als Argument ziehen ;)

Heißer Sex? Keine Sorge, die Szenen in Film sind mehr lustig als Hardcore

Hat Copycat einen größeren Auftritt?

Copy-wer? Es wird noch einmal ein bisschen nerdy: Im Film verliebt sich Wade Wilson in die Prostituierte Vanessa Carlysle (Morena Baccarin), die in der Comicvorlage als Copycat bekannt ist. Nein, die Referenz auf die New Mutants bleibt aus! Die Dame dient lediglich als Motivator für Wade, um sich im späteren Verlauf durch den Film zu schlachten, hat aber keinen größeren Stellenwert für den Plot.

Ob Sie es glauben oder nicht, der Romantik-Anteil kommt bei ‚Deadpool‘ nicht zu kurz!

Der Bruch der vierten Wand

Vielleicht wundern Sie sich, warum ich Sie des Öfteren direkt anspreche? Ich mache es ausnahmsweise dem Protagonisten des Films gleich und durchbreche die vierte Wand. Was ein Kevin Spacey in ‚House of Cards‘ kann, kann ein Deadpool natürlich schon lange! Wie in den Magazinen, ist sich Wade auch im neuen Film seiner Situation bewusst und weiß, dass er Teil eines Comics ist. Dieses Merkmal unterscheidet ihn exorbitant von sämtlichen anderen Comicfiguren (sowohl von Marvel als auch von DC) und bringt dem Charakter zusätzliche Sympathiepunkte ein. Nach unserem Empfinden hätte dieses Feature, also der Bruch der vierten Wand, im Film ruhig öfter passieren können – Spaß macht’s aber dennoch, wenn einem der „Merc with a Mouth“ (sprich „Der Söldner mit der großen Klappe“) seine Kommentar-Salven entgegenschleudert.

„Shit, habe ich etwa den Herd angelassen?“ (Zitat aus dem Film)

Eine Lebensaufgabe für Ryan Reynolds

Viele die ich kenne verbinden Ryan Reynolds als Saufkopf aus der Teenie-Komödie ‚Party Animals‘, seine Glanzleistung in ‚Buried‘ zeigte jedoch auch den Cineasten, dass dieser Herr ganz großartig schauspielern kann. Weniger gut fanden andere wiederum seine Darstellung des DC-Helden ‚Green Lantern‘ – der Film mit den mäßigen CGI-Effekten kam 2011 in die Kinos und verfolgt den Feschak bis heute. Weil Ryan Reynolds jedoch ein Arbeitsviech ist der Deadpool zu seinen Favoriten zählt, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Schmach als gescheiterte Comicfigur wett zu machen und dem Marvel-Antihero einen würdigen Flick zu spendieren. 10 Jahre lang klemmte er sich akribisch hinter das Projekt, arbeitete gewissenhaft mit den Fans zusammen (Test-Screenings und Rohfassungen wurden eine Zeit lang auf YouTube gestellt um die Meinung des Publikums einzuholen) und tritt nicht nur als Hauptdarsteller sondern auch als Produzent auf. Das Engagement merkt man dem Film an: Anders als beispielsweise die ‚Avengers‘ musste ‚Deadpool‘ mit einem „mickrigen“ Budget von 50 Mio. US-Dollar auskommen. Dennoch macht die Produktion in der endgültigen Kinofassung mordsmäßig Spaß und schafft es, mit stylishen Slow-Motion-Aufnahmen und witzigen Gastauftritten zu punkten. Wenn man bedenkt, dass Disney knapp 280 Mio. Dollar bei ‚Avengers: Age of Ultron‘ – Mann, war der Streifen schlecht! – verbuttert hat, echt ein Zeichen. (Die Meinung des ehrlichen Redakteurs spiegelt nicht den tatsächlichen Erfolg des besagten Films wieder!)

Auweh, an ‚Green Lantern‘ möchte Ryan Reynolds lieber nicht mehr erinnert werden

Und was kann der ‚Deadpool‘-Film jetzt?

Fans dürfen sich natürlich freuen: ‚Deadpool‘ feiert spät aber doch seinen Einstand in den Lichtspielhäusern und punktet mit der Liebe zum Detail. Bereits bei der Eröffnungssequenz rate ich Ihnen gut die Augen aufzumachen, denn eine Anspielung jagt die nächste und Running-Gags gibt es sowieso am Laufband. Überraschend ist der emotionale Wert des Films: So lustig Wade/Deadpool auch ist, er hat eine tragische Hintergrundgeschichte an der er fast zu zerbrechen droht – dank seiner Freundin Vanessa aber den Kopf aus dem Sand zieht und das Leben wieder in die Hand nimmt. (Man kann es nicht leugnen, ein bisschen etwas von einer Romanze versprüht der Film schon!) Der Plot wird stellenweise in Rückblenden erzählt, was dem Erzählfluss erfrischend zu Gute kommt und an keiner Stelle kompliziert wirkt. Klar im Fokus steht der Rachefeldzug von Deadpool, es spritzt das Blut und auf ein gehässiges Kommentar folgt ein nur noch böseres. Nebenfiguren wie Colossus (Stefan Kapičić), Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und Angel Dust (MMA-Amazone Gina Carano) sind nett anzusehen, hätte man sich aber getrost sparen können, da sie für die Geschichte keinerlei Relevanz aufweisen.

Die beiden X-Men zur Linken und zur Rechten von Deadpool hätten sich die Macher getrost schenken können

Wie kann man ‚Deadpool‘ nun abschließend über einen Kamm scheren? Wer den Humor und den Exoten-Faktor der ‚Guardians of the Galaxy‘ (an deren grenzgenialen Soundtrack kommt der Hip-Hop-lastige ‚Deadpool‘ leider nicht heran) und ‚Ant-Man‘ gut fand, sowie Keanu Reeves stylishen Rache-Epos ‚John Wick‘ feiert, wird mit diesem Helden der etwas anderen Sorte seinen Spaß haben. Oh, sitzen bleiben ist natürlich angesagt! Die für Marvel- Filme schon obligate Nachspann-Szene gibt es auch hier, genauso wie den Gastauftritt von Marvel-Mitbegründer Stan Lee.

Erfolgsformel: ‚Guardians of the Galaxy‘ + ‚Ant-Man‘ + ‚John Wick‘ = ‚Deadpool‘

Vorwissen ist eigentlich nicht nötig, 20th Century Fox bietet auch Neueinsteigern eine grandiose Möglichkeit, in das Universum dieser Figur einzusteigen. Eine gewisse Vorahnung kann Ihnen natürlich von Nutzen sein um bei dem ein oder anderen Insider-Witz herzhaft lachen zu können, aber wenn Sie den Artikel bis zu dieser Stelle gelesen haben sind Sie eigentlich perfekt gewappnet. Und jetzt ab in’s Kino (wenn Sie über 16 Jahre alt sind), Sie werden es nicht bereuen!

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