Reportage
Stereo, 16:9
Bei Jochen und Simone ist der Kühlschrank leer - Zeit, für Nachschub zu sorgen. Das tun die beiden grundsätzlich nach Ladenschluss. Sie bedienen sich aus den Resten von Lidl, Rewe und Co. Wenn es dunkel geworden ist, gehen sie mit ihren Stirnlampen zu den Abfallcontainern auf der Rückseite der Supermärkte. Dort gibt es Quark und Joghurt, Brot, Soßen und Käse - und vieles mehr. Das Verfallsdatum ist zwar erreicht, aber das stört die beiden nicht. Alles wandert in den großen Korb. Sie nennen es "containern". Das ist nicht legal. Bisher hat sich aber noch niemand daran gestört, sagt Simone. Nicht nur in Gießen und Umgebung gibt es inzwischen Menschen, die aus Überzeugung so leben: Sie protestieren gegen eine Wegwerfgesellschaft, in der es normal geworden ist, viel zu viel zu produzieren und dann wieder zu vernichten. Der "Hessenreporter" durfte in ihr Leben schauen. Möglichst ohne Geld und jenseits der Zwänge einer bürgerlichen Gesellschaft zu existieren, ist auch Jörgs Devise: Mit anderen teilen, ein Haus gemeinsam nutzen, gebrauchte Bücher sammeln, das macht ihn unabhängig. Die Konsumverweigerer sind bescheiden. Unterstützung vom Staat wollen sie nicht. Sie wollen auf niemandes Kosten leben. Aber wenn eine neue Jacke nötig ist? Kein Problem: In einem Gießener Wohnviertel betreiben Simone und ein paar Freunde den Umsonstladen. Dort haben Kunden gerade jede Menge Sachen in die Regale geräumt - auch Hosen und Pullover, alles noch prima in Schuss. Sogar Kinderspielzeug haben sie mitgebracht - kostet nichts.
Von Katja Devaux