The Big Short

Drama, USA 2015

Trader Mark Baum ist von den Machenschaften der Finanzwelt entsetzt

Über sieben Jahre sind seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und dem damit verbundenen Ausbruch der Finanzkrise vergangen. Und doch, sagt der Erzähler zu Beginn von "The Big Short", "wissen die meisten von euch noch immer nicht, was da eigentlich passiert ist". Ein Umstand, den US-Regisseur Adam McKay mit seiner furiosen, top-besetzen Komödie ändern will.

Oft wurde die ab 2007 schwelende Finanzkrise in den vergangenen Jahren filmisch aufgearbeitet - ob im Oscar-gekrönten Dokumentarfilm "Inside Job" von Charles Ferguson, in J.C. Chandors Thriller "Margin Call" über den Vorabend des Kollapses oder in Ramin Bahranis Drama "99 Homes" über die tragischen Konsequenzen für heillos verschuldete Hausbesitzer. Adam McKay, Regisseur und Drehbuchautor des medienkritischen Klamauks "Anchorman" und anderer Will-Ferrell-Komödien, bringt mit "The Big Short" nach dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis einen neuen Blickwinkel ein: Im Zentrum stehen nicht die korrupten Banken und gierigen Investoren, sondern eine Handvoll Wertpapierhändler, die das Platzen der Immobilienblase und den daraus resultierenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft Jahre zuvor vorausgesagt und ihrerseits davon profitiert haben.

Der Erste mit dem richtigen Riecher ist Michael Burry (Christian Bale). Im Jahr 2005, als der Dollar stark und der US-Immobilienmarkt "unerschütterlich" scheint, erkennt der eigenwillige Hedgefonds-Manager in vermeintlich todsicheren, aber eigentlich auf faulen Krediten basierenden Immobilienprodukten eine Zeitbombe. Für seine Einschätzung wird er erst ausgelacht, dann von seinen Chefs, die dem mathematisch genialen Eigenbrötler bisher freie Hand gelassen haben, bedroht. Doch Burry ist sich dermaßen sicher, dass er mit sogenannten "Shortings", also Leerkäufen von Aktien großer Investmentbanken, gegen das Finanzsystem an der Wall Street wettet.

Die Lunte riechen bald andere Spekulanten, die ihrerseits aus dem möglichen Zusammenbruch des Systems das große Geld machen wollen: Der gierige, charismatische Deutsche-Bank-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling) holt den idealistischen Trader Mark Baum (Steve Carell) und sein Team an Bord, die zwei Junginvestoren John Magaro (Charlie Geller) und Jamie Shipley (Finn Wittrock) tun sich mit dem ehemaligen Wall-Street-Star und nunmehrigen Öko-Aussteiger Ben Rickert (Brad Pitt) zusammen. Im Laufe der nächsten Jahre realisieren sie, dass sie Recht haben - und dass das System, in dem sie arbeiten, noch viel korrupter ist, als sie dachten.

Es ist ein ambitioniertes Unterfangen Adam McKays, einerseits die Finanzkrise erklären und andererseits die so trockenen, komplexen Abläufe an der Wall Street unterhaltsam verpacken zu wollen. Gelungen ist ihm beides. Mit rasantem Tempo, das bis zur letzten Minute nicht nachlässt, wirft er den Zuseher mitten ins Geschehen, das - wie wir alle mittlerweile wissen - in einer Katastrophe endet, deren Folgen noch lange zu spüren sein werden. Die parallel erzählten Geschichten führen uns von den hektischen Straßen New Yorks über die kühlen Konferenzräume in Wolkenkratzern bis zu den laut Banken florierenden, aber ausgestorbenen Vorstädten, die das Platzen der Immobilienblase bereits ankündigen. Halt macht die Erzählung nur, wenn Stars wie Selena Gomez oder Margot Robbie in selbstironischen, lehrreichen Einspielern sperrige Finanzbegriffe anschaulich erklären.

Durch das Finanzlabyrinth führt Ryan Gosling als junger Zyniker mit scharfer Zunge, der sich in den verrücktesten Momenten ans Publikum richtet, um ihm zu versichern, dass das alles tatsächlich so vonstattengegangen ist. Christian Bale brilliert als autistisch anmutendes Finanzgenie mit Glasauge, das barfuß und mit Heavy-Metal-Beschallung im Büro so gar nicht in das Klischee der Finanzhaie passt. Wichtigste Identifikationsfigur und wahrer Star der hochkarätigen Truppe ist aber Steve Carell als zorniger Idealist, der vom Selbstmord seines ebenfalls im Finanzsektor tätigen Bruders traumatisiert und vom System zunehmend desillusioniert ist. Er empört sich mit hochrotem Kopf an unserer Stelle, scheint immer nahe am Herzinfarkt, ist angewidert von dem Profit, den er aus der Dummheit und Gier anderer schlägt - bedeutet seine Prognose bei Eintreten doch auch, dass Millionen Menschen weltweit ihre Häuser, Jobs und Pensionsgelder verlieren.

Bei "The Big Short" gibt es keine moralisch überlegenen Helden - und die Gewinner sind am Ende die Verantwortlichen der Krise, die bis heute werken und jedweder Strafe entgangen sind. Mit einem klugen Skript, schwarzem Humor und einem exzellent eingespielten Cast entwickelt der Film bis zuletzt eine ungemeine Sogwirkung und hinterlässt den Zuseher klüger, wütender, zynischer, verzweifelter - und doch großartig unterhalten.

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