Bridget Jones' Baby: Schrullig, schusselig & schwanger

Komödie/Romanze, GB 2016

Das kommt davon, wenn man nicht aufpasst

Zwölf Jahre lang war die Chaosblondine weg vom Radar. Jetzt ist sie wieder da -und wie: Bridget ist schwanger, weiß aber nicht, wer der Vater ist

Lange mussten wir warten, aber jetzt ist die liebenswert schrullige Bridget Jones zurück! Allerdings kämpft sie diesmal nicht gegen zu viel Schokolade auf den Hüften, sie hat nämlich ihr Idealgewicht (juhu!) erreicht. Sie raucht auch nicht mehr wie ein Schlot, sondern ist seit über 1.000 Tagen nikotinfrei. Nur am übermäßigen Alkoholkonsum hat sich nichts geändert. Ach ja, und Single ist sie auch wieder. Die On-Off-Beziehung mit ihrem Traummann, Mark Darcy, hat leider nicht geklappt, der hat deshalb eine andere geheiratet (schluchz!).

Eines gleich vorweg: Der Film hat nichts mit ‚Verrückt nach ihm‘, Helen Fieldings drittem Teil ihrer Bridget Jones-Bücher, zu tun. Denn im Buch ist Bridget eine Witwe, zieht ihre Kinder groß und hat einen 20 Jahre jüngeren Toyboy. Gott sei Dank blieb uns diese Verfilmung erspart (oder kommt sie etwa noch!?) und der wunderbar britische Mark Darcy ist am Leben. Womit wir schon beim Inhalt wären:

Glückliches Singleleben?

Bridget Jones (Renée Zellweger) feiert ihren 43. Geburtstag, ist einsam, tröstet sich mit Wein und singt ‚All by Myself‘. (Wer jetzt an Teil eins denken muss, denkt goldrichtig, denn mit einer ähnlichen Szene fing auch der allererste Bridget Jones-Film an.) Dabei war zwölf Stunden davor noch alles ganz normal: Sie wurde von ihrer Mutter geweckt, die sie daran erinnerte, ihr doch endlich Enkelkinder zu schenken, und musste dann auf die Beerdigung ihres Ex-Liebhabers Daniel Cleaver. (Lustig, damit haben die Autoren an Hugh Grant gedacht, der sich weigerte, ein drittes Mal mitzuspielen, und ihm einen passenden Abschied verpasst: Sein Charakter Daniel Cleaver wird für tot erklärt, weil er - wie passend für den Playboy - im Busch (!) verschollen ist.) Ihr Arbeitstag als Fernseh-Produzentin war chaotisch wie immer.

Sie tapste von einem Fettnäpfchen ins nächste und musste sich außerdem noch mit einer neuen PR-Managerin (Kate O'Flynn) anfreunden, die die Nachrichten flippiger und nicht aktueller gestalten möchte. Abends stand Ausgehen mit ihrer alten Gang am Programm, die war sich nämlich einig, dass Dauer-Single Bridget eine heiße Liebesnacht nötig hatte. Doch es kam, wie es kommen musste - ihre Freunde, die alle Kinder haben bzw. dabei sind, Kinder zu adoptieren, hatten keine Zeit. Also sitzt die 43-jährige Bridget abends allein am Sofa und singt All by Myself. Das muss sich ändern! Sie braucht Aufregung! Ein Wellness-Wochenende mit ihrer Freundin und Kollegin, der Mitdreißigerin Miranda (Sarah Solemani), soll für Ablenkung sorgen. Was sie nicht weiß: Miranda entführt sie auf ein Festival. Dort soll Bridget mit dem ersten Mann ins Bett steigen, der ihr über den Weg läuft. Wie gut, dass das der fesche amerikanische Milliardär Jack (Patrick Dempsey, passende Besetzung!) ist. Nach viel Alkohol, viel Herumgetanze und viel Spaß landet Bridget schließlich mit Jack in der Kiste, die sie am nächsten Tag zufrieden, aber doch etwas beschämt verlässt. Wieder daheim in London steht eine Taufe am Plan. Wie es das Schicksal so will, ist Bridget die Patentante und ihre große Liebe Mark Darcy (Colin Firth) der Pate. Die Funken sprühen gewaltig. Und als er Bridget steckt, dass die Scheidung von seiner Frau im Gange ist, gibt es kein Halten mehr und die beiden verbringen eine Liebesnacht miteinander. Auch sein Bett verlässt Bridget still und heimlich, hinterlässt aber eine herzerweichende Nachricht: Sie musste gehen, weil ein Aufwärmen ihrer Beziehung einfach keinen Sinn macht. Bridget versucht, beide Männer zu vergessen. Das klappt auch. Bis sie merkt, dass sie wieder zunimmt - und der Grund acht Wochen alt ist und in ihrem Bauch wohnt! Die staubtrockene Frauenärztin (großartige Performance von Emma Th ompson) weiß auch nicht, wer der Vater ist. Jack und Mark kommen beide in Frage. Also muss sie den möglichen Daddys die frohe Botschaft überbringen. Doch das klappt nicht so, wie Bridget es sich vorgestellt hat.

Herzergreifend und humorig

Der Film sprüht vor Charme, Herzenswärme und der richtigen Portion Spaß. Lachtränen schießen einem in die Augen, wenn sich Bridgets schwuler Freund auf ein "Gayby" freut - er und sein Partner adoptieren nämlich ein Kind -, wenn Bridget Popstar Ed Sheeran für einen Starbucks-Verkäufer hält, die veganen Kondome für Bridgets Schwangerschaft verantwortlich sind und Mark und Jack bei der Geburtsvorbereitung für ein schwules Paar gehalten werden. Die Chemie zwischen der verrückten und quirligen Bridget und dem versnobten und steifen Mark Darcy stimmt immer noch - man spürt einfach, dass die beiden sich lieben, und hofft bis zum Schluss, dass es ein Happy End gibt. Kurz gesagt: ein gelungener Abschluss der Bridget Jones-Reihe. Was zum Großteil an der Performance der Schauspieler liegt -allen voran Renée Zellweger, die zwar erschlankt ist, sich aber wie gewohnt unbekümmert gibt und für jeden Blödsinn zu haben ist; und Colin Firth, dem man den steifen Briten einfach abkauft. Zum anderen liegt es an der Regisseurin Sharon Maguire, die bereits für Schokolade zum Frühstück verantwortlich zeichnete - und Bridget Jones vom sehr übertriebenen zweiten Teil an ihren Ausgangspunkt zurückholte: quirlig, verschroben, schrullig und tollpatschig, aber ohne extrem übertriebene Abenteuer wie Ausharren in einem thailändischen Gefängnis oder Extrem-Skifahren in den Alpen. Wie gewohnt lebt der Film auch vom tollen Soundtrack: Thinking out Loud (Ed Sheeran), Fuck You (Lily Allen) und Ain't No Stoppin Us Now (McFadden & Whitehead) sind nur ein paar der Songs, die die Szenen erst perfekt machen.

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