31.5.2012 12:33

Michael Haneke holt zweite Goldene Palme in Cannes

Der österreichische Filmemacher Michael Haneke hat zum zweiten Mal die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Nach "Das weiße Band" (2009) wurde sein berührendes und zärtliches Drama "Amour" über Krankheit und Tod bei einem alten Paar am Sonntag von der Jury unter dem italienischen Regisseur Nanni Moretti zum besten Film des Wettbewerbs 2012 gekürt. Laut Moretti hätten einige Mitglieder der Jury gerne mehrere Preise an den Film vergeben, das Reglement verbiete dies allerdings.

Es sei "eine Liebesgeschichte für die Ewigkeit" hatte das Filmmagazin "Variety" bereits nach der Premiere am Sonntag vor einer Woche über den Film geschrieben, hätte aber auch Hanekes Beziehung zum Festival an der Croisette meinen können: Seit 1997 regelmäßig im Wettbewerb vertreten, triumphierte er nun als erst siebenter Filmemacher ein weiteres Mal. Haneke reiht sich damit ein in die Liste der größten Regisseure wie dem Amerikaner Francis Ford Coppola, dem Japaner Shohei Imamura oder den belgischen Brüdern Dardenne, denen dieses Kunststück bisher gelungen war.

Film-Inhalt
In "Amour" erzählt er in ruhigen und langen Einstellungen in einer bürgerlichen Altbauwohnung von den letzten Monaten des Ehepaars Georges und Anna, das seit Jahrzehnten verheiratet ist und nach Annas Schlaganfällen mit deren schleichendem Verfall lernen muss umzugehen. Der Film ist ein erschütterndes und intensives Kammerspiel, das nicht zuletzt von seinen großartigen Darstellern Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert lebt. Huppert spielt die Tochter der beiden pensionierten Musiklehrer. Für den "Hollywood Reporter" gilt "Amour" schon jetzt als eine Bank für die nächste Oscar-Verleihung, der US-Verleih wird den Film im Herbst parallel zum europäischen Start auch in den USA ins Kino bringen.

Im Interview
Haneke selbst genoss den Triumph am Sonntag im Kreise seines Produktions- und Darstellerteams. "Ich bin sehr glücklich. Und es gibt nichts, was ich sonst dazu sagen könnte", sagte der Regisseur zu Canal+. Und im ORF sagte Haneke Sonntag Abend in der ZIB: "Jeder Preis ist ja in erster Linie einmal wichtig, weil er unsere Arbeitsbedingungen verbessert, für jeden Regisseur. Wenn's hier ist, in diesem exklusiven Umfeld, und zum zweiten Mal ist es natürlich eine besondere Ehre, das freut mich."

Glückwünsche
Hanekes Produzent Veit Heiduschka sprach gegenüber der APA von "einer Sensation" und einem "tollen Erfolg für Österreich". Von offizieller Seite regnete es ebenfalls Glückwünsche. Bundeskanzler Werner Faymann (S) gratulierte dem "Ausnahmekünstler", der "Bilder auf die Leinwand bringt, die niemanden unberührt lassen", zu der "historischen Leistung". Dass in Cannes gleich zwei Filme aus Österreich nominiert gewesen seien, "zeigt einmal mehr, dass die österreichischen Filmschaffenden zur Weltspitze gehören". Kulturministerin Claudia Schmied (S) sprach von einer "verdienten Auszeichnung" und konstatierte, dass man Nominierungen und Preise "keinesfalls irgendwann als alltäglich ansehen" dürfe. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz unterstrich die "große Kreativität österreichischer Filmschaffender" und richtete seine Glückwünsche aus. Ebenso der Verband Filmregie Österreich, der hofft, "dass auch die Kulturpolitik die Bedeutung eines solchen Preises für Österreichs Image in der Welt richtig einschätzt und den Mehrwert einer auf Qualität setzenden Förderpolitik erkennt".

Paradies
Der zweite österreichische Film im 22 Filme umfassenden Wettbewerb, "Paradies: Liebe" von Ulrich Seidl, war nicht nur zu Beginn des Festivals kontrovers aufgenommen worden, sondern zählte auch in der Jury zu den am kontroversesten diskutierten Filmen. Laut "Variety" galt Seidls Film lange Zeit als Anwärter für den Regiepreis, ging aber schließlich leer aus.

Weitere Preise
Den Großen Preis der Jury erhielt der italienische Filmemacher Matteo Garrone für seine Gesellschaftssatire "Reality", den Preis der Jury gab es für die Tragikomödie "The Angel's Share" des Briten Ken Loach. Den Regiepreis sicherte sich sich der Mexikaner Carlos Reygadas für "Post Tenebras Lux". Und der Drehbuchpreis ging an den rumänischen Palmen-Mitfavoriten "Beyond the Hills" von Cristian Mungiu. Sein Exorzismus-Drama brachte auch den beiden Hauptdarstellerinnen Cosmina Stratan und Cristina Flutur die Auszeichnung als "Beste Schauspielerinnen". Der Däne Mads Mikkelsen spielte indes in Thomas Vinterbergs Drama "The Hunt" einen zu Unrecht beschuldigten Kinderschänder - und erhielt dafür die Auszeichnung als "bester Schauspieler".

(apa/red)

31.5.2012 12:33
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