Mario Adorf feiert seinen 80. Geburtstag: Im TV-MEDIA-Talk steht er Rede & Antwort
- Wirkt noch nicht wie 80 mit seiner Lässigkeit
- ,Ich sah wie der Sohn von Marlon Brando aus'

·Hollywood-Legende feiert 80. Geburtstag
Schotte Sean Connery hat sich echt gut gehalten
Am Mittwoch feiert Mario Adorf seinen 80. Geburtstag. Der deutsche Star im Interview: Über das Altern, ,Winnetou', seine US-Karriere - und warum er ,Pate'-Regisseur Coppola absagte.
TV-MEDIA: Was mich immer schon interessiert hat: In Winnetou I löschten Sie 1963 als Oberschurke Santer die gesamte Filmfamilie des Apachenhäuptlings aus, seinen "Weißen Vater" Klekihpetra inklusive. Bekamen Sie dafür keine Morddrohungen?
Mario Adorf (lacht): Nein, so wild war es nicht. Viele jungen Leute waren mir deswegen allerdings sehr lange böse. Aber man muss das locker sehen. Es kommt auch im Theater vor, dass das Publikum - wenn man beispielsweise den Jago in Shakespeares Othello überzeugend spielt - einen am liebsten vom Parkett aus umbringen würde. Letzten Endes ist das aber immer ein Kompliment an das Können des Schauspielers.
TV-MEDIA: Sie haben Hollywood-Luft geschnuppert. 1964 engagierte Sie Kultregisseur Sam Peckinpah für den Western Sierra Chariba, in dem Sie neben Charlton Heston und Richard Harris einen Mexikaner spielen. Was hat die US-Schauspielergewerkschaft dazu gesagt?
Adorf: Der Empfang in Amerika war unfreundlich. Die Branchenblätter Daily Variety und Hollywood Reporter schalten mich auf der Titelseite "Hun Actor", also einen Hunnen-Schauspieler, und fragten: Wieso wird ein blonder Deutscher (Anm.: Im 1958 für den Auslands-Oscar nominierten Film Nachts, wenn der Teufel kam trug Adorf als Serienmörder Bruno Lüdke die Haare gefärbt) als Mexikaner besetzt, wo wir doch so viele arbeitslose Latino-Schauspieler haben? Zudem stand ich permanent unter Nazi-Verdacht. Das ging soweit, dass Jim Hutton, im Film der Lt. Graham, mir am Set ein "Heil Hitler!" entgegenschleuderte. Er wollte prüfen, wie ich darauf reagiere.
TV-MEDIA: Eine Rolle im epochalen Mafiafilm Der Pate lehnten Sie ebenfalls ab. Wie kam's dazu?
Adorf: Regisseur Francis Ford Coppola bot mir - was ganz unüblich ist - bei unserem Treffen keine konkrete Rolle an, sondern fragte mich: Haben Sie im Roman einen Charakter gefunden, den Sie gerne spielen würden? Ich antwortete: Ja, Sonny Corleone, den ältesten Sohn von Marlon Brando. Darauf er: Geht nicht, den haben wir schon mit James Caan besetzt. Mit James Caan, groß, kantig, lockig? Ich sehe wie Brandos Sohn aus! Dann wollte er noch wissen, ob ich nicht eine andere Rolle nach Maß im Buch entdeckt hätte. Ich sagte: nein! Das war das Ende unserer Unterhaltung. Aber was hätte ich ihm auch sagen sollen? Der fünfte Mörder von links, der diesen Kerl von hinten mit einer Drahtschlinge erwürgt - den zu spielen wäre ein Traum? Nein ...
red/Egenbauer











