So läuft der Sender von Didi Mateschitz:
TV-MEDIA exklusiv auf Besuch bei ServusTV
- Betreibt mit viel Aufwand untypisches Privatfernsehen
- 60 bis 70 Prozent der Dokus sind Eigenproduktionen

Montagabend im Hangar-7 am Flughafen Salzburg: Das multifunktionelle
Museum von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ist hell erleuchtet, TV-Kameras sind in Stellung gebracht, und einige Dutzend Zuschauer haben ihre Plätze bereits eingenommen. Mittendrin: TV-MEDIA.
Anlass für unsere Visite: Um 21.15 Uhr geht Sport und Talk aus dem Hangar-7, die Sportshow des Privatsenders ServusTV, live auf Sendung. Mit Ex-ORF-Sportler Andi Gröbl als Moderator und mit Stargästen, die an diesem Abend über die bevorstehende Formel-1 Saison diskutieren werden: die F1-Legenden Gerhard Berger und David Coulthard, Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, Red-Bull-Racing-Teamchef Christian Horner und sein Pilot Mark Webber. Eine Runde, die auch ORF oder RTL gut zu Gesicht stehen würde. Stattdessen läuft der Talk samt musikalischer Live-Begleitung (!) beim jüngsten Austroprivaten, der erst im Oktober 2009 loslegte.
Hinter ServusTV steckt die Power von Red-Bull-Chef Mateschitz, der mit dem SalzburgTV-Nachfolger seine ehrgeizigen Fernsehpläne vorantreibt. Wobei ServusTV anspruchsvolles Programm für den Alpen-Donau-Adria-Raum liefert und als privat finanzierter Sender inhaltlich wie technisch in Konkurrenz zu privat- bzw. öffentlich-rechtlichem Rundfunk tritt, so Programmdirektor Wolfgang Pütz im TV-MEDIA-Gespräch. Sender-Credo: Premium-Inhalte auf höchstem technischem Niveau anbieten. Deshalb produziert ServusTV durchgehend in hochauflösender HD-Qualität (selbst alte Spielfilme werden neu abgetastet) und experimentiert wie am Kitzbühel-Skiwochenende schon mal mit 3D-Technik. Da haben sich 15.000 Seher online bei uns (www.servustv.com) angemeldet, um eine Brille zu bestellen, weil sie die Streif dreidimensional erleben wollten, verrät Neo- Geschäftsführer Martin Blank.
Nur 30 % technische Reichweite
Die Quoten (meist im einstelligen Tausenderbereich) sind noch zweitrangig, die technische Reichweite ServusTV ist via Astra-Satellit, DVB-T und Kabel empfangbar liegt derzeit gerade mal bei 30 %. Doch das soll (und muss!) sich rasch ändern, auch werbetechnisch will der Sender daher bald in die Offensive gehen. Blank: Wir wollten das Baby erst einmal on air bringen, und jetzt beginnen wir, breiter und größer zu kommunizieren. Und zu kommunizieren gäbe es einiges. Denn nicht nur der von 30 Technikern u. a. mit Kran- und Steady-Cam produzierte Sporttalk ist hochwertige TV-Ware, auch die in der Sendezentrale in Wals-Himmelreich nahe Salzburg kreierten Programme wirken alles andere als billig. So werden die Magazine Servus Salzburg (wochentags 17.25 Uhr) und Gut leben (wochentags 18.30 Uhr) oder die Kinosendung Lichtspiele (mittwochs 21.45 Uhr) in einem Studio gefilmt, das ob seiner Größe und Hightech-Ausstattung selbst alte Hasen mit der Zunge schnalzen lässt. Als etwa Gut-leben-Moderator Stephan Sommeregger (vormals Call-in- Presenter bei ATV) Karl Merkatz interviewt, wirkt der Mundl fast ein wenig verloren in den Weiten des Aufnahmebereichs.
60 bis 70 Prozent der Dokus sind Eigenproduktionen! Eigenproduktion ist auch bei den von ServusTV ausgestrahlten Dokus Trumpf: 60 bis 70 Prozent stellt der Sender selbst her! Ein teurer Spaß, aber, so Wolfgang Pütz: Wir glauben, dass wir die eigenproduzierten Dokus und Reportagen ähnlich wie ZDF oder BBC weiterverkaufen können.
David Schoof
Mehr zu unserem Besuch bei ServusTV finden Sie im aktuellen TV-MEDIA 11/2010!











